Über mich Aktuelles Landtag Wahlkreis Termine Kontakt Archiv Impressum
Bildungspolitik Kulturpolitik Reden Parlamentarische Anfragen
width=1
Datum 04. September 2012
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

4. Kulturraumtour: Zwischen Kultur und Wirtschaft – Kreativwirtschaft in den sächsischen Kulturräumen

Welche kreativen Potentiale gibt es in den sächsischen Regionen? Was sind die Probleme vor denen die Kreativschaffenden stehen? Was kann und muss Politik und Verwaltung in Kommune und im Land tun, damit Kreativschaffende sowohl ihre Idee verwirklichen als auch von ihrer Arbeit leben können? Mit diesen Fragen im Gepäck machte sich Dr. Eva-Maria Stange, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion auf den Weg, um an drei Tagen im August 2012 in drei Kulturräumen mit kreativen Köpfen ins Gespräch zu kommen.
Die Grundlage dafür waren der 1. Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht Sachsens (https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11541), der 2008 unter der Federführung der von der SPD geleiteten Wirtschafts- und Kulturministerin entstand sowie ein über zwei Jahre erarbeitetes Positionspapier (http://spd-fraktion-sachsen.de/politik/positionspapiere) zur Weiterentwicklung dieser Branche. Ihre Route führte sie von Bautzen und Reichenbach weiter in das Erzgebirge und endete im Vogtland. Begleitet wurde sie dabei von Thomas Jurk, Stefan Brangs und Hanka Kliese. Ein besonders herausragendes Beispiel vernetzten kreativen Arbeitens fand Stange im Vogtland. So gibt es in Plauen das Wilke-Haus Co-Working. In diesem Haus haben sich Grafiker, Marketingspezialisten, Designer, Zeichner, Texter und viele andere zusammengetan. Geteilt werden nicht nur die Büroräume – sondern hier arbeiten unterschiedliche Spezialisten zusammen und können dadurch auch größere Aufträge akquirieren und sich gegenseitig inspirieren. Dennoch – so musste die kulturpolitische Sprecherin überall erfahren - wird der Wert und Preis kreativer Arbeit selten gesehen. Während der Stundenlohn für einen Handwerker selbstverständlich sei, muss sich ein Grafiker oder Filmemacher eher entschuldigen, wenn er für seine Leistung einen Gegenwert erwartet. Hier ist Umdenken in der Gesellschaft und in der öffentlichen Verwaltung notwendig, so ein Fazit von Stange. Dazu gehört auch, dass unser tradiertes Sozial- und Arbeitslosenversicherungssystem dringend modernisiert und den Bedingungen prekärer, ständig wechselnder Beschäftigungsverhältnisse angepasste werden muss. In der Kreativwirtschaft zeigt sich dieser Wandel unserer Arbeitswelt wie in einem Brennglas. Ebenso muss die Politik, die Verwaltung aber auch die Fördergeldgeber stärker für die Bedürfnisse und Probleme der Branche sensibilisiert werden. Erste Akzente konnte Stange im Erzgebirge bei einem Gespräch mit dem Regionalmanagement Erzgebirge anregen. Hier plane man nun, die Vernetzung der Kreativschaffenden und ein Gespräch mit der Wirtschaftsförderung auf den Weg zu bringen. Auch in Bautzen zeigte sich der Oberbürgermeister nach einem gemeinsamen Gespräch aufgeschlossen für ein Treffen und Erfahrungsaustausch zwischen Kreativarbeitern der Region und seiner Verwaltung. Was alles möglich ist, wenn sich Politik und Verwaltung sich öffnen, wurde bei der Besichtigung des Alten Schlachthofes in Stollberg sichtbar. Mit viel Engagement gestaltet der junge Verein „Art&Event Kultschlachthof Stollberg“ das alte Industriegebäude zu einem vor allem für jungen Menschen attriaktiven Kulutr- und Kreativzentrum um. Die Unterstützung der Stadt ist ihnen sicher. Das Deutschen Innovationszentrum für Stickerei e.V. in Plauen zeigte, dass traditionelles Handwerk und modernes Design sich nicht ausschließen, sondern neue Geschäftsfelder eröffnet werden können, und – wie am Bespiel der Plauerner Spitze – ein weltweit bekanntes Profil einer Region in die Zukunft tragen. Dabei wurde auch klar, wie wichtig die Ausbildung von Fachleuten in der Region ist. Auf ihrer Kulturraumtour regte Stange daher auch an, dass die Regionen eigene Kreativwirtschaftsberichte als Vertiefung zum landesweiten Bericht erstellen. So lassen spezifische regionale Potentiale ausfindig machen, profilieren und damit weitere kreative Wirtschaftsbereiche in den Regionen erschließen. Zentrales Thema war immer wieder die Passfähigkeit der Wirtschaftsförderung auf die Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren oft kleinteiligen Projekten und immateriellen Produkten. Hier ist die SAB ebenso gefordert wie die regionale Wirtschaftsförderung, Programm flexibler zu gestalten und den Begriff der Innovation nicht allein auf materielle Produkte zu beziehen. Die diesjährige Rundreise war die vierte Kulturraumtour der ehemaligen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst. Ziel aller Reisen war und bleibt es, dass Kulturraumgesetz als herausragendes kulturpolitisches Förderinstrument in Sachsen bekannter zu machen. In ihrer Amtszeit wurde im Jahr 2008 das Sächsische Kulturraumgesetz entfristet und die Mittel erstmals seit Bestehen des Gesetzes (1994) um 10 Millionen Euro auf 86,7 Mio. Euro aufgestockt. Das Engagement für den Erhalt des Gesetzes und der Gelder ist wichtiger denn je: Mit dem Doppelhaushalt 2011/2012 wurden die Mittel durch die CDU/FDP geführte Staatsregierung gekürzt. Diese Kürzungen setzen sich nach den Plänen von CDU und FDP auch im Doppelhaushalt 2013/2014 fort. Diese Kürzungen müssen zurückgenommen werden, da ansonsten auch die Grundlagen für die Kreativwirtschaft gefährdet sind!

width=1
zurück