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Datum 04. Juli 2013
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

Oberschule: Mehr Schein als Sein.

Dr. Eva-Maria Stange, stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt:
„Die Neuetikettierung der Mittelschule in Oberschule ist lediglich eine verwaltungstechnische – und teure – Umbenennung der Mittelschulen in Oberschulen. Keine neuen Inhalte, keine Novelle des Schulgesetzes. Das nenne ich Etikettenschwindel. Eltern wollen aber keinen Etikettenschwindel, sondern dass ihre Kinder länger gemeinsam Lernen. Genau das will die SPD-Fraktion mit ihrer Forderung nach einer Gemeinschaftsschule. Die haben wir bereits 2005 auf den Weg gebracht. Sie wurde aber von CDU und FDP aus rein ideologischen Gründen 2009 wieder beendet wurde. Die sogenannte Oberschule ändert auch nichts am Lehrermangel. 55 zusätzliche Lehrerstellen stehen den 281 Mittelschulen zur Verfügung, um aus der Mittelschule die Oberschule zu machen. Das gleicht nicht einmal aus, was an Lehrerstellen in den letzten Jahren gerade an Mittelschulen gestrichen bzw. an andere Schularten umgesetzt wurde (ca. 500 von 2012 auf 2013). Die Folge ist vorprogrammierter Unterrichtsausfall vor allem bei der individuellen Förderung in Klasse 5 und 6. Obwohl seit Jahren die zweite Fremdsprache an vielen Gymnasien im Losverfahren gegen den Willen der Schüler zugewiesen wird, soll nun an den Mittelschulen ab Klasse 6 eine zweite Fremdsprache angeboten werden. Wo kommen die Fremdsprachenlehrkräfte plötzlich her? Aus Sicht der SPD-Fraktion wäre es sinnvoller, sowohl in der Mittelschule wie auch im Gymnasium erst ab Klasse 7 mit der zweiten Fremdsprache zu beginnen. Somit könnten wir Lehrerreserven gewinnen und das Losverfahren endlich beenden. Auch die Durchlässigkeit zum Gymnasium wird mit der Oberschule nicht erhöht. Im Gegenteil: Auf Beschluss der schwarzgelben Regierungsmehrheit trat 2010/11 eine verschärfte Bildungsempfehlung nach Klasse 4 in Kraft. Dadurch wechselten seit diesem Schuljahr jährlich ca. 800 Schüler weniger auf das Gymnasium. Nach Klasse 6 wechselten 2012/13 gerade einmal 79 Schüler von der Mittelschule zum Gymnasium. Siebenmal so viele Schüler gehen dagegen den Weg vom Gymnasium zur Mittelschule – so viel, wie in kaum einem anderen Land. Die sogenannte Oberschule schafft weder mehr Chancengleichheit noch mehr Durchlässigkeit; sie bringt weder den leistungsstarken noch den leistungsschwachen Schülern die nötige individuelle Förderung. Das hilft weder den Schülerinnen und Schülern noch den Mittelschulen. Mehr Schein als Sein – die Werbeagentur Zastrow & Co. lässt grüßen. Und die CDU – einschließlich der zuständigen Fachministerin – lässt sich auch noch dazu missbrauchen. Eltern, Schülerinnen und Schüler werden diesen Schwindel schnell durchschauen."

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