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Datum 26. Juni 2013
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Sachsen ist keineswegs Spitze in Sachen Schulsystem!

Entgegen den medialen Pressedarstellungen vom 25. Juni 2013 stellt sich das Sächsische Schulsystem im innerdeutschen Vergleich nicht als spitzenmäßig dar. Und gerecht ist es auch nicht!
Daher treffen solche Aussagen der Presse wie “Sächsisches Schulsystem gleicht soziale Nachteile am besten aus“ (FP), „Gute Chance für arme Kinder“ oder „Sachsen Spitze bei Bildungschancen, aber viele Schulabbrecher“ nicht zu. Vor allem die Schulabbrecher haben im sprichwörtlichen Sinne Pech. Für sie werden später kaum weitere Angebote zum Erwerb entsprechender Bildungschancen zur Verfügung gestellt. Schaut man sich weiterhin das „Chancenprofil“ für Sachsen aus der aktuellen Bertelsmannstudie sowie zumindest die Kurzfassung ebenjener Studie an, dann erkennt man eine Fülle negativer Fakten: • 8,4% (Dtl._gesamt: 6,4%) aller Schüler benötigen in Sachsen sonderpädagogische Förderung, das sind deutlich mehr als im deutschlandweiten Vergleich. • 6,4% (Dtl._gesamt:4,8%) aller Schüler – also der überwiegende Teil der Schüler mit besonderem Förderbedarf – landet auf der Förderschule und hat kaum eine Chance einen anerkannten Schulabschluss zu machen und anschließend einen Beruf zu erlernen – das sind deutlich mehr Schüler ohne Bildungschancen als in den meisten anderen Bundesländern. • 9,3% (Dtl._gesamt: 6,2,%) gelten in Sachsen als Schulabbrecher, d.h. sie haben nicht einmal einen Hauptschulabschluss. Das sind sogar mehr Schüler als in Bundesländern mit einem hohen Anteil an Jugendlichen aus armen Migrationsfamilien. D.h. ein nicht unerheblicher Teil der Schüler, die meisten davon haben Eltern mit einem geringen Bildungsabschluss und sind sozial schwach, werden bereits früh dem Regelschulsystem entzogen und ausgesondert. Fast jeder 10. Jugendlichen in Sachen hat keine fairen Bildungschancen. Ist das gerecht? • Immer weniger Viertklässler gehen in Sachsens aufs Gymnasium (der FDP sei Dank, denn sie hat sich für die Bildungsempfehlung mit 2,0 stark gemacht und damit mehr als 1000 Kindern pro Jahr den Weg zum Gymnasium versperrt). • Die Zahl derjenigen Schüler, welche das Gymnasium in Richtung Mittelschule verlassen müssen („Abwärtswechsel“; (Dtl._gesamt:4,2%)), ist sieben mal höher als die Anzahl derjenigen Schüler, die von einer Mittelschule auf ein Gymnasium wechseln. Wie kann man dann von Bildungsgerechtigkeit sprechen? Daran wird auch die sog. Oberschule ab September nichts ändern, denn die wesentliche Entscheidung wird in Klasse 4 getroffen. • Dass Sachsen weniger Sitzenbleiber hat als der Bundesdurchschnitt hängt auch damit zusammen, dass Kinder und Eltern gemeinsam mit den Lehrern am Gymnasium oft bereits bei der ersten drohenden Klassenwiederholung eher auf die Mittelschule wechseln. Dort angekommen steigen sie eine Klasse auf, anstatt sitzen zu bleiben. Die zweite Chance am Gymnasium wird somit nicht genutzt. Ist das gerecht? • In Sachsen sinkt der Anteil der Schüler mit einer Hochschulreife entgegen dem Bundestrend (40,6% zu 51,1%). Damit ist Sachsen deutschlandweit eines der Schlusslichter bei den Abiturienten und sorgt somit nicht für seinen eigenen Akademikernachwuchs vor. Ohne den Zuzug aus anderen Bundesländern, die über den eigenen Bedarf ausbilden, sehe es an unseren Hochschulen trübe aus und der Akademikernachwuchs würde noch stärker als jetzt schon fehlen. • Dass es in Sachsen so einen hohen Anteil an Ganztagsangeboten gibt, ist allein der Regierungsbeteiligung der SPD 2004-2009 geschuldet. Nur so konnte 2004 das Bundesprogramm mit 4 Mrd. € gegen den Willen der CDU – auch hier in Sachsen – gestartet werden. Darüber hinaus wurde dieses Bundesgeld mit 3 Mio.€ Landesmitteln für Honorarverträge zusätzlich unterstützt. Damit konnten und können gerade Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern besser gefördert werden, indem etwa Hausaufgaben bereits unter Anleitung in der Schule erledigt werden etc. Dieser Umstand erklärt ebenso, warum etwa Schüler aus bildungsfernen und sozial schwachen Elternhäusern in Sachsen am Ende der 4. Klasse (nur das wurde verglichen!)besser abschneiden als der Bundesdurchschnitt. Hinzu kommt der wesentlich geringere Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, der in Sachsen kaum messbar ist, in anderen Bundesländern aber einen nicht unerheblichen Teil der Schüler am unteren Leistungsende in Klasse 4 abbildet. Mit den Kürzungen der Ganztagsschulmittel auf 22,5 Mio.€ und dem Abzug der Lehrkräfte aus der Ganztagsbetreuung sind somit negative Effekte bei der Förderung der Schüler vorprogrammiert. Denn das eigentliche Problem beginnt in Sachsen erst nach Klasse 4!

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