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Datum 04. Mai 2012
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

Lehrerbedarf: Tragfähige Lösung statt Flickschusterei

"Das heute von Kultusministerin Kurth und Finanzminister Unland vorgelegte Krisenpaket, um den Lehrerbedarf wenigstens für das kommende Schuljahr notdürftig zu decken, stellt keine tragfähige Lösung dar, sondern ist nichts anderes als kurzfristige Flickschusterei. Mit den Maßnahmen der Staatsregierung werden nur neue Löcher in den Schulen aufgerissen; das langfristige Problem des Lehrerbedarfs wird hingegen nicht gelöst.
Die Zahl der Neueinstellung soll zwar um 255 Stellen auf 655 angehoben, das ist vor allem für die Lehramtsabsolventen ein wichtiges Zeichen. Dennoch können nicht alle 850 frei werdenden Stellen in den Schulen wieder besetzt werden. Notwendig wären mindestens 1.000 neue Einstellungen um den dringenden Bedarf wirklich zu decken und für die kommenden Jahre vorzusorgen. Ab 2016/17 müssen jährlich mehr als 1.500 Stellen wieder besetzt werden. Dafür müssen wir heute Vorsorge treffen. Denn Lehrer kann man sich nicht backen; sie müssen rechtzeitig ausgebildet und auf dem bundesweiten Arbeitsmarkt angeworben werden. Die Staatsregierung will zukünftig 290 Lehrkräfte im Unterricht einsetzen, die bisher für Ganztagsangebote, Förderstunden oder Arbeitsgemeinschaften tätig waren. Somit kann zwar notdürftig eine Lücke im Unterricht geschlossen werden. Gleichzeitig wird aber ein neues Loch bei der Ganztagsbetreuung gerissen. Auch die erhöhten Honorarmittel werden das nicht ausgleichen können. Bereits im aktuellen Haushalt wurden die Ganztagsmittel um ein Drittel von 30 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro gekürzt. Viele Lehrer, die eigentlich für die Ganztagsangebote fest eingeplant waren, sind längst als Vertretungslehrer im Unterricht tätig – sie stehen also nicht mehr zusätzlich zur Verfügung. Sicher ist es richtig, endlich wieder Lehrkräfte aus der Verwaltung in den Schulen einzusetzen. Hier hat es in den letzten Jahren eine ausgeprägte Bedienung durch das Kultusministerium gegeben. Unklar bleibt aber, welche Aufgaben dadurch nicht mehr erledigt werden. Fällt jetzt die Evaluierung der Schulen oder die Weiterentwicklung der Lehrpläne weg? Diese Antwort bleibt das Ministerium schuldig – nach dem Motto "Augen zu und durch!" Vor allem wird aber die zentrale Frage nicht beantwortet: Wie gedenkt die Staatsregierung mittel- und langfristig den Lehrerbedarf zu sichern? Die eigentlichen Probleme des Generationswechsels an unseren Schulen rollen erst auf uns zu. Jetzt mobilisiert die Staatsregierung die letzten Reserven für den Unterricht und reißt dabei neue Löcher, um einen frühen Kollaps des Systems im kommenden Schuljahr zu verhindern. Qualität bleibt dabei ebenso auf der Strecke, wie die Zukunftsfragen der Lehramtsstudierenden."

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