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Datum 24. Oktober 2012
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

Heimat und Globalisierung - zwei Seiten einer Medaille

Eines wurde während der gestrigen Diskussionsveranstaltung mehr als deutlich: Das Thema Heimat war, ist und bleibt ein hoch emotionales Topos, das zum menschlichen Leben dazugehört, wie die Luft zum Atmen.
In Überwindung des ehemaligen bürgerlichen emotionalisierend-nationalisierenden, ästethischen und die Vergangenheit idealisierenden Heimatbegriffs aus dem 19. Jahrhundert umfasse der heutige sozialkonstruktivistisch verstandene und sich an die Gegebenheiten einer schnelllebigen und flexibleren Lebenswelt orientierende Heimatbegriff - laut Prof. Manfred Seifert - eher Dimensionen der Offenheit, Integretation, sozialen Vernetzung und ist dabei weniger allein auf ein Umfeld (objektbezogen), sondern vielmehr auf den jeweiligen Menschen in seinem Umfeld (subjektbezogen) zu verstehen. Gleichwohl bleibe auch bei einem derartigen Heimatbegriff die emotionale Ebene von enormer Bedeutung. So könne der Mensch erst dann von Heimat sprechen, wenn er sich an einem Ort oder mehreren Orten ein soziales Netzwerk geschaffen habe, in dem er sich wohl fühle und für das er sich auch einbringe. Heimat entspreche somit quasi einem transzendenten Gefühl, das dem Menschen aus anthropologischen Gründen innewohnt und sich als Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit in Zeiten der Krise und Umbrüche besonders - anscheinend konjunkturgleich - äußere. Frau In Am Mahmood - Mitlgied des Ausländerrats Dresden e.V. - bestätigte diese These. Erst seitdem sie die deutsche Sprache beherrsche und sich vor Ort engagiere und soziale Kontakte aufbauen konnte, fühle sie sich auch in Dresden beheimatet. Frau Dr. Stange hob dabei besonders hervor, dass wir einen offenen und integrationswilligen Heimatbegriff benutzen sollten, der das Mitwirken von Zuzüglern ermögliche und diese somit am gesellschaftlichen Leben in der neuen Umgebung beteilige, anstatt a priori auszuschließen. Erst ein funktionierendes gesellschaftlich-soziales Netzwerk lasse bei allen Menschen ein Gefühl des "Ankommens und der Bereitschaft zu Verwurzelung" aufkommen. Daran könne sich dann ein Engagement anschließen, dass republikanisch-demokratisches Handeln im besten Sinne darstelle. Harald Worms von der Gompitzer Ortsgruppe des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. verwies auch auf die heutige emotionale Bedeutung von Heimat. So sei es von enormer Wichtigkeit, dass die Menschen fähig und bereit sind, sich mit ihrem Lebensumfeld zu identifizieren. Nur dann könne man auch wertschätzen und lieben lernen, was einen täglich umgibt. Hierzu bedürfe es auch einem gewissen Maß an erlernter Heimatkunde. Auch in der offenen Diskussion zeigte sich, wie sehr das Thema "Heimat" die Menschen beschäftigt. Eben darin liegt auch das Potential für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung: Wenn wir ein demokratisch-integrierendes Heimatbewusstsein bei den Menschen erzeugen können, dann lassen sie sich von der chauvinistischen und ausgrenzenden Heimat- und Deutschtümelei der Rechtsextremen nicht blenden, sondern sind sogar bereit, ihre Heimat gegen diese antidemokratischen Tendenzen zu verteidigen. Insofern sollten wir auch in der Öffentlichkeit wieder stärker über das Topos Heimat sprechen und dessen Potentiale im Kampf gegen Ignoranz, Fremdenfeindlichkeit und platter Rückwärtsgewandtheit nutzen.


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