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Datum 17. Juli 2012
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

Berufsschulen leisten tolle Arbeit - Schließung aufhalten

Nachdem die Sächsische Staatsregierung per Kabinettsbeschluss die Schließung aller Berufsfachschulen - mit Ausnahme der für den Pflegebereich zuständigen - im Mai beschloss, regte sich ein massenhafter Protest bei betroffenen Schulen, Schülern und Unternehmen. Immerhin führte das zu einem anscheinenden Umdenken bei der Kultusministerin, Frau Kurth.
Ob in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Musikinstrumentenbau oder Gesundheits- und Sozialwesen, die Berufsfachschulen leisten hervorragende Arbeit. Sie ergänzen das spezifische und weltweit anerkannte duale deutsche Ausbildungswesen. Somit begründen sie ein weiteres Spitzenausbildungsangebot für sächsische Jugendliche. Das haben mittlerweile auch andere Bundesländer anerkannt. So hat Bayer z.B. erst kürzlich über ein Dutzend Berufsfachschulen eröffnet. Warum das sächsische Erfolgsmodell nun aber von der schwarz-gelben Staatsregierung abgeschafft werden soll, bleibt nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Wirtschaftsvertretern der IHK völlig schleierhaft. Dafür allein die absinkenden Schülerzahlen als Argument zu nutzen und das inhaltliche Konzept der Anbieter absolut auszublenden, erscheint allen Experten als zu kurzsichtig. Und am inhaltlichen Ausbildungsniveau kann es schon gar nicht liegen. So haben vor allem Vertreter des (internationalen) Tourismuswesens in den vergangenen Wochen massiv gegen die Schließung protestiert und nachhaltig auf die Vorteile der Berufsfachschulausbildung hingewiesen. So würde im Vergleich zum dualen Ausbildungswesen hier wesentlich stärker eine an den Anforderungen der Branche orientierte Ausbildung erfolgen. Neben einem schnelleren Abschluss würde besonders hier eine quantitativ wie qualitativ höherwertige Sprachenausbildung erfolgen als beim dualen Ausbildungsprozess. Angesichts eines immer größer werdenden Fachkräftemangels scheint die Politik der schwarz-gelben Koalition hier vollkommen anachronistisch. Gleichfalls würde durch eine Schließung der Berufsfachschulen auch deren sozialintegrative Funktionsleistung wegfallen. So wurden sie ursprünglich hauptsächlich dafür gegründet, um insbesondere den Schülern mit schwachem oder keinem Abschluss eine Ausbildungsperspektive bereitzustellen. Wie die Wirtschaft allen diesen Betroffenen zukünftig eine Lehrstelle bereitstellen will, weiß niemand. Und was mit den 200 Lehrern passiert, welche im Zuge der Schließung ihre Arbeitsplätze verlören, weiß die Kultusministerin auch nicht. Gewinner dabei wäre allein der Sächsische Finanzminister, der seine Stellenabbaupläne weiter durchgesetzt sähe. Dass es infolge des massiven Protests im kommenden Schuljahr zunächst erstmal keine Schließungen geben soll, ist erfreulich. Aber es ist noch keine endgültige Entwarnung! Dazu muss die argumentative Auseinandersetzung mit Frau Kurth fortgeführt werden. Gern ist die SPD-Landtagsfraktion hierfür ein zuverlässiger Ansprechpartner, wie ein erstes Fachgespräch mit Vertretern der Wirtschaft sowie der Aus- und Weiterbildung an den Berufsfachschulen am 25. Juni 2012 bewies. Lassen Sie uns gemeinsam am Ball bleiben.

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