Über mich Aktuelles Landtag Wahlkreis Termine Kontakt Archiv Impressum
Bürgerbüro Dresdner Westen Aktionen
width=1
Datum 09. November 2015
Verfasser Dr. Eva-Maria Stange

Gedenken an den 9. November 1938

Während manche den 77. Jahrestag der Ausschreitungen gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger nutzen, um die Deutsche Schuld für "beendet" zu erklären, gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus an diesem Tag.

Der 9. November steht wie kein anderer Tag in Deutschland für historische Umbrüche und ist geprägt vom Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Einen symbolischen Ausdruck findet dieses Gedenken auch durch Stolpersteine, kleine Gedenktafeln welche im Boden verlegt sind. Diese sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig und markieren den letzten selbstgewählten Wohnort jener Menschen welche aufgrund ihrer Religion, Ethnie, sexuellen Orientierung oder politischen Einstellung von den Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurden.

Stellvertretend für all diejenigen, die dieser Ideologie zum Opfer fielen, gedachten wir am 9. November 2015 an Max und Maria Sachs sowie ihre Töchter Claire Ehrmann und Edith Kaufmann. Diese lebten bis zu Ihrer Vertreibung in der heutigen Max-Sachs-Straße 2 in Dresden-Briesnitz.

Max Sachs war Redakteur der „Dresdner Volkszeitung“ und von 1922-26 Abgeordneter für die SPD im Sächsischen Landtag. Er starb 1935 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Seine Frau Maria zog anschließend wieder in ihren Heimatort Bielefeld, die Töchter Claire und Edith emigrierten in die USA.

Gemeinsam säuberten wir bei Taschenlampenlicht die Stolpersteine der Familie und erinnerten an ihre Lebenswege. Einige Gespräche zogen eine Linie zu den Geflüchteten von heute. Auch diese verlassen, wie Edith und Claire, ihre Heimat ohne zu wissen was sie erwartet und ob es ein Wiedersehen mit jenen gibt, welche sie zurück ließen.

Der Gedanke, ob man selbst bereit wäre, für seine eigenen Überzeugungen alles aufzugeben – auch dieser streifte die Überlegungen der Teilnehmenden an der Mahnwache. Niedergelegte Blumen und eine Kerze erinnerten, nachdem sich alle verstreut hatten, an die besondere Geschichte der Bewohner der Max-Sachs-Straße 2, die vor über 80 Jahren gezwungen wurden ihr Zuhause zu verlassen.

Im nächsten Jahr werden wir uns am 9. November wieder an diesem Ort zusammenkommen und uns bewusst machen, dass es in unserem Land niemand aufgrund seiner Religion, Herkunft oder Überzeugung verfolgt werden sollte und es in unserer Verantwortung liegt uns für jene ein zu setzten, die dieses Glück nicht haben.



width=1
zurück